Kaffeegetränke im Überblick: was in welchem steckt

Die Kurzfassung: Fast alle Kaffeegetränke sind dieselben zwei bis drei Zutaten in unterschiedlichen Verhältnissen. Die Tabelle unten zeigt, welches Getränk wie gebaut wird — darunter steht zu jedem, worauf es ankommt und wo die gängigen Angaben auseinandergehen.

Die Tabelle

Getränk Kaffeebasis Dazu Gesamtmenge Schaum
Espresso doppelter Espresso — ca. 50 g Crema
Ristretto doppelter Ristretto — 25–30 g Crema
Espresso Macchiato geteilter Doppelshot 5–10 g Milch Espressotasse Häubchen
Cortado doppelter Ristretto gleiche Menge Milch kleines Glas kaum
Flat White doppelter Ristretto Milch 160–180 ml ca. 5 mm
Cappuccino doppelter Espresso texturierte Milch 150–180 ml mind. 1 cm
Americano doppelter Espresso heißes Wasser je nach Tasse —
Espresso Tonic doppelter Espresso 200 ml Tonic, viel Eis ca. 227 ml Glas —
Affogato doppelter Espresso 1 Kugel Gelato Schale plus Tasse —
Cold Brew grob gemahlen, 1:8 14–16 Std. ziehen Konzentrat —
Japanese Iced Coffee mittel-fein, 1:17 65 % heiß, 35 % Eis z. B. 500 g —

Alle Espressobezüge bei uns als Doppelshot: 18 bis 20 Gramm Einwaage, gebrüht bei 92 Grad. Warum wir zwischen Ristretto und Espresso unterscheiden und nie einen einzelnen Shot ziehen, steht in einem eigenen Beitrag.

Die Milchgetränke

Espresso, Milch, Schaum — die drei Zutaten sind immer dieselben. Was sie unterscheidet, sind die Anteile und die Beschaffenheit des Schaums.

Cappuccino ist das einzige Milchgetränk, für das es überhaupt institutionelle Festlegungen gibt, und selbst dort widersprechen sie sich. Die italienische Zertifizierung nennt 25 Milliliter Espresso auf 100 Milliliter Milch, also rund 125 Milliliter insgesamt. Die amerikanische Specialty Coffee Association nennt 148 bis 177 Milliliter und verlangt mindestens einen Zentimeter Schaumhöhe. Beides ist gültig, beides beschreibt eine andere Trinkkultur. Wir arbeiten mit dem größeren Maß.

Flat White hat weniger Schaum als der Cappuccino — rund einen halben Zentimeter statt einem ganzen — und dafür einen kräftigeren Kaffeeanteil. Er ist das Getränk mit der widersprüchlichsten Quellenlage überhaupt; wir haben ihm eine eigene Seite gewidmet, auch weil sich die Frage nach seiner Herkunft anhand von Zeitungsbelegen tatsächlich klären lässt.

Cortado kommt aus Spanien, der Name heißt schlicht „geschnitten“: Espresso, mit etwa der gleichen Menge Milch gestreckt. Definiert wird er über dieses Verhältnis, nicht über eine Füllmenge — es gibt ihn in klein und in groß, solange das Verhältnis stimmt. Die Milch wird erwärmt, aber kaum aufgeschäumt. Wer eine feste Milliliterangabe sucht, sucht etwas, das es nicht gibt.

Espresso Macchiato ist der Gegenpol zum Cortado: kein Milchgetränk, sondern ein Espresso mit einem Milchtupfen. Die einzige belegte Mengenangabe, die wir finden konnten, nennt 5 bis 10 Gramm Milch bei 60 bis 66 Grad. Der Name bedeutet „gefleckter Kaffee“, und genau so soll es aussehen.

Milchtemperatur, für alle gleich: 55 bis 60 Grad. Darüber verliert die Milch ihre Süße, ab etwa 70 Grad verbrennt man sich zuverlässig die Zunge. Heißer servieren heißt nicht besser servieren.

Americano — und warum er kein Caffè Crema ist

Ein Americano ist fertiger Espresso, dem hinterher heißes Wasser zugegeben wird. Ein Caffè Crema wird anders extrahiert: gröberer Mahlgrad, deutlich mehr Durchlauf unter Druck, kein Wasser dazu. Das ist der eigentliche Unterschied, und er wird fast überall falsch erklärt.

Die Wassermenge beim Americano ist Geschmackssache — von einem Verhältnis 1:1, das in Italien auch „Italiano“ heißt, bis zu einer vollen Tasse. Wir geben das Wasser zuerst ins Gefäß und den Espresso darüber, damit die Crema nicht sofort zerschlagen wird.

Die beliebte Erzählung, amerikanische Soldaten hätten im Zweiten Weltkrieg den italienischen Espresso verdünnt, ist übrigens unbelegt. Der Begriff taucht erst in den 1970er Jahren auf.

Die kalten

Espresso Tonic ist jünger, als man denkt: erfunden 2007 von der schwedischen Rösterei Koppi. Der Aufbau entscheidet über das Ergebnis — Glas großzügig mit Eis füllen, Tonic auffüllen, kurz setzen lassen, und den Espresso erst zuletzt langsam darüber. Wer ihn zu schnell eingießt, hat Schaum auf dem Tisch statt Schichten im Glas. Ein säurebetonter Kaffee passt besser als ein schokoladiger.

Cold Brew ist kein kalt servierter Kaffee, sondern kalt gebrühter — grob gemahlen, viele Stunden gezogen, nie erhitzt. Das ergibt ein anderes Getränk, nicht bloß ein kühleres. Details stehen auf der eigenen Seite.

Japanese Iced Coffee geht den umgekehrten Weg: Er wird heiß gebrüht, aber direkt auf Eis. Der Trick ist, dass das Eis Teil der Brühwassermenge ist und nicht dazukommt — rund zwei Drittel heißes Wasser, ein Drittel Eis, gemeinsam die volle Menge. Dadurch bleiben die Aromen erhalten, die beim langsamen Abkühlen verloren gehen. Wer das Eis vergisst mitzuwiegen, verwässert.

Affogato

Streng genommen kein Getränk, sondern ein Dessert: eine Kugel Gelato, über die ein doppelter Espresso gegossen wird. In Italien steht er auf der Nachspeisenkarte, außerhalb meistens bei den Getränken.

Der italienische Speiseeisverband empfiehlt, beides getrennt zu servieren — Espresso in der Tasse, Gelato in der Schale — damit der Gast selbst aufgießt und nichts vorher schmilzt. Und: kein Kaffee-Gelato, weil sich die Aromen gegenseitig erschlagen. Mehr dazu auf der eigenen Seite.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Flat White und Cappuccino?

Die Schaumhöhe und der Kaffeeanteil. Der Cappuccino hat mindestens einen Zentimeter Schaum, der Flat White etwa einen halben — dafür steckt bei uns ein Ristretto statt eines Espresso darin. Der Flat White schmeckt deshalb kaffeebetonter, obwohl beide ungefähr gleich groß sind.

Wie viel Koffein steckt in welchem Getränk?

Fast überall gleich viel, weil fast überall dieselbe Kaffeemenge drin ist. Ein Cappuccino und ein Flat White enthalten beide einen doppelten Bezug; die Milch verdünnt den Geschmack, nicht das Koffein. Ein Ristretto enthält kaum weniger als ein Espresso, weil Koffein sich früh im Bezug löst.

Warum schmeckt derselbe Kaffee als Cappuccino anders als als Filterkaffee?

Weil Milch Bitterkeit dämpft und Süße betont, Säure aber nur teilweise abpuffert. Ein säurebetonter Kaffee, der als Filter strahlend wirkt, kann im Cappuccino spitz wirken. Deshalb wählen viele Röstereien für Espresso andere Kaffees als für Filter — nicht weil die Bohne eine andere ist, sondern weil die Zubereitung eine andere Frage stellt.

Welches Getränk soll ich bestellen, wenn ich es nicht zu bitter mag?

Alles mit mehr Milch: Cappuccino oder Flat White. Wer es ohne Milch mag, ist mit einem Filterkaffee meist besser bedient als mit einem Espresso — eine längere Extraktion verteilt sich auf mehr Wasser und wirkt dadurch milder.

Gibt es feste Normen für diese Getränke?

Kaum. Für den Cappuccino gibt es zwei, die sich widersprechen. Für alles andere — Cortado, Americano, Latte, Cold Brew — gibt es keine einzige institutionelle Definition. Die Weltmeisterschaften haben ihre Cappuccino-Vorgaben 2016 sogar ganz gestrichen. Wer dir feste Zahlen nennt, nennt dir eine Hausregel.

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Aktualisiert am September 18, 2026

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